WALPURGIS METAL DAYS VII:
WALPURGIS METAL DAYS VII
(27./28. April 2007, Hauzenberg)


Unter dem Motto "Totgesagte leben länger" fand das diesjährige siebte Walpurgis Metal Days Festival im bayrischen Hauzenberg in der Nähe von Passau statt. Dank Alex von Ketzer Records waren wir auf diese Veranstaltung aufmerksam geworden, und die Bandauswahl für dieses Jahr las sich schon sehr vielversprechend: Die gesunde Mischung aus Death, Black und Thrash Metal bis hin zu Grind ließ auf ein abwechslungsreiches Konzert hoffen, und da hier neben großen Namen wie Unleashed, Legion of the Damned oder Ensiferum auch jede Menge unbekannte Bands vertreten waren, bot das Festival zudem eine gute Gelegenheit, ein paar Neuentdeckungen zu machen. Noch dazu erfuhren wir, dass die Walpurgis Metal Days von den Wolfchant-Jungs veranstaltet werden, die wir letztes Jahr als richtig coole Zeltnachbarn kennen gelernt hatten, und so stand recht schnell unser Entschluss fest, dieses Jahr die Festivalsaison in Bayern zu eröffnen. Also nicht lange rumgeeiert, Sachen gepackt, bayrisches Wörterbuch rausgekramt und auf ins Weißwurstland. Auch die Wettervorhersage verhieß sehr Gutes, so dass wir uns schon auf ein heißes Konzertwochenende freuten.

Freitag
Nach vierstündiger Anreise endlich angekommen in Hauzenberg fiel uns gleich das coole Campinggelände auf, auf dem man praktischerweise das Zelt direkt neben dem Auto aufstellen konnte. Mit anfänglichen Schwierigkeiten bauten wir nun unser Death Metal Bratwurstzelt in der Hitze auf und machten uns dann so schnell wie möglich auf ins Geschehen. Dank der kurzen Wege auf dem überschaubaren Festivalgelände hatten wir es auch nicht weit von unserem Zelt zur Konzertbühne, die in Hauzenberg übrigens in einem gemütlichen Bierzelt aufgebaut ist. Zum Glück gab es ein paar Verzögerungen, so dass wir trotz unserer etwas verspäteten Ankunft den Auftakt des WMD nicht verpassten, den dieses Jahr Age of Carnage aus Kelheim bestritten. Mir sagte die Band gar nichts, aber meine Frau Katja kannte zwei Bandmitglieder von früher und meinte, die würden coolen Black/Death Metal zocken. Und tatsächlich, die jungen Burschen schafften es trotz Affenhitze und einer Uhrzeit, die nun wirklich nicht die tollste war, einige Leute anzulocken. Von der Fahrt noch etwas geschlaucht, war ich noch nicht so taufrisch, um meine Rübe auf Headbanging einzustellen, während die Gattin schon ordentlich die Haare kreisen ließ. Leider hatten Age of Carnage das Pech, dass sie erst ca. 20 Minuten später anfangen konnten als eigentlich geplant, so dass sie gerade mal 20 Minuten reine Spielzeit zur Verfügung hatten, die verdammt schnell vorbei waren. Das war natürlich nicht nur für die Band dumm gelaufen, denn die Songs der jungen Truppe gingen richtig gut nach vorne los, und Sänger Lucke fauchte und grunzte ins Mikro, dass es eine wahre Freude war. Wirklich beachtlich, davon hätten wir gern noch mehr gehört! Age of Carnage absolvierten einen sehr guten Einstand und ließen sich auch von der noch geringen Besucherzahl vor der Bühne nicht die Laune verderben. Coole Band, die man im Auge behalten sollte! Danach folgte die erste Umbaupause und wir folgten dem Pfad an die Theke, um zu schauen, was uns denn die Bayern hier so anzubieten haben. Kaum hatten wir unser Bier ausgetrunken und mal kurz bei Ketzer-Alex am Stand vorbeigeschaut, um dem coolen Ulmer Dialekt beizuwohnen, standen schon Lost Legacy Gewehr bei Fuß. Solche Umbaupausen liebt man natürlich. Auf Lost Legacy haben wir uns sehr gefreut, hatte uns doch schon ihr aktuelles Album ziemlich gut gefallen. Eigentlich schade, dass so eine Band in der glühenden Nachmittagshitze auftreten musste, denn so ging doch einiges von der düsteren Atmosphäre der Songs flöten. Dennoch konnten die Bayern mit ihrem melodischen Dark Metal überzeugen und spielten sich fast durch ihr komplettes Debütalbum "Gates Of Wrath". Aufgrund der großen Hitze war aber unser Verlangen nach Frischluft und Flüssigbrot doch etwas größer als das Interesse an Lost Legacy, so dass wir es nur etwa für die Hälfte des Gigs im Zelt aushielten. Als nächstes stand dann mit Exotoxin eine Thrash Band auf dem Plan, von der wir auch nicht allzu viel mitbekamen, weil uns diese Stilrichtung nun mal beiden nicht sonderlich zusagt. Dennoch ließ uns unser Interesse nicht in Ruhe, und wir wollten zumindest mal kurz reinhören/-schauen. Zu unserer Überraschung sahen wir, dass es sich hier um ein Soloprojekt handelt, und es war schon beeindruckend zu sehen, wie eine Person ohne jegliche Mithilfe ganz allein den kompletten Auftritt bestreitet. Bis auf die Gitarre und den Gesang kam hier alles vom Band, was der musikalischen Qualität aber keinen Abbruch tat. Wer auf handgemachten Thrash der alten Schule steht, sollte sich diesen metallischen Alleinunterhalter wirklich mal live antun. Naildown, die nächste Band, haben wir dann komplett links liegen lassen, da wir die Finnen schon auf CD scheiße fanden und uns daher lieber an den Ständen aufhielten. Mittlerweile war es so gegen 19:30 Uhr, und für die Münchner Sycronomica war es nun an der Zeit, die Bühne zu betreten. Zum ersten Mal an diesem Tag fing das Zelt an, sich so richtig zu füllen, was wohl auch daran lag, dass Sycronomica gerade in Bayern keine Unbekannten mehr sein dürften. Die Münchner zockten melodischen Black Metal, der auch live rundum überzeugen konnte und etwas rauer rüberkam als auf CD. Leider hatte die Band, als gerade so richtig Schwung in die Sache kommen wollte, mit technischen Problemen zu kämpfen, da plötzlich mehrmals hintereinander der Strom ausfiel. Das war natürlich für die Band (und für die Fans) sehr ärgerlich, weil dadurch die Stimmung ziemlich kaputtgemacht wurde. Sycronomica versuchten mehrfach, ihren Auftritt fortzusetzen, aber da immer wieder nach kurzer Zeit der Strom weg war, waren wir nicht die einzigen Besucher, die etwas enttäuscht das Zelt verließen. (Später stellte sich dann übrigens heraus, dass eine defekte Kabeltrommel am Tätowierstand die Ursache des Stromausfalls war.) Beim Auftritt von Suidakra waren dann die technischen Probleme wieder aus der Welt geschafft. Das Zelt war mittlerweile proppevoll, und die Meute vor der Bühne war schon ordentlich am Abfeiern. Die Mischung aus melodischem Death/Black/Dark Metal mit Folkeinflüssen kam beim Publikum super an, auch wenn wir persönlich mit der Band nicht so viel anfangen konnten, da ihre Songs einfach etwas zu wirr und unstrukturiert rüberkamen. Dennoch war die gute Laune auf der Bühne und im Publikum schon fast ansteckend, so dass wir nicht gleich wieder die Flucht ergriffen. Nach Suidakra standen dann eigentlich Disbelief auf dem Plan, worauf sich auch sehr viele (inklusive uns) gefreut hatten. Aber wie schon nachmittags zu erfahren war, steckten die Hessen im Stau fest, so dass sie es nicht mehr rechtzeitig nach Hauzenberg schaffen konnten. Leider musste der Auftritt von Disbelief dann komplett abgesagt werden, worüber sich neben etlichen enttäuschten Fans natürlich auch die Veranstalter ärgerten. Da es nun auch schon zu vorgerückter Stunde war, spielte nach Suidakra gleich der Headliner des Abends, nämlich die Finnen Ensiferum. Im Zelt, das mittlerweile zum Bersten gefüllt war, tobte eine riesige Masse von Fans, und Ensiferum wussten mit ihrem Pagan Metal der Meute so richtig einzuheizen. Auch die Lichtshow kam nun zu später Stunde perfekt zur Geltung. Die Finnen zockten sich durch ihr bisheriges Schaffen, was live weitaus härter rüberkam als auf CD. Auch wenn man von Ensiferums Stil nicht so angetan ist (wie z.B. mein grunzfanatischer Gatte Rayk), konnte man doch beobachten, dass das Publikum seinen Spaß bei der Darbietung der Finnen hatte. Wie es meistens bei dieser Art von Musik der Fall ist, war auch bei Ensiferum das Rumgeschubse im Publikum nicht für Zartbesaitete geeignet, da es ständig Bierbecher, Ellenbogen und sonstiges hagelte. Alles in allem ein sehr gelungener Abschluss des ersten Konzerttages, den wir dann noch mit ein paar gemütlichen Bierchen am Auto ausklingen ließen. Aber kaum wollten wir uns ein wenig aufs Ohr hauen, nervten dann unsere Nachbarn, indem sie in ihrem jugendlichen Übermut grauenhafte Volksmusik auflegten, die nicht mal im Suff zu ertragen war. Das sollte dann wohl ganz besonders cool sein. Aber na ja, mein Frauchen zeigte sich wenig beeindruckt, da sie sowieso nichts mehr von der Außenwelt mitbekam. Ich versuchte mich derweil in den Schlaf zu lachen, denn es ist immer wieder ein Vergnügen, Bayern und Ösis beim Quatschen zuzuhören, wie zum Beispiel einer Österreicherin, die ihr "Augenglaserl" verloren hatte und vor lauter Nerverei von unseren Nachbarn beinahe "a Fotzn" bekommen hätte.

Samstag
Während die ein oder anderen noch sichtlich vom Vorabend geschädigt waren, fingen schon vor zehn Uhr die Vorbereitungen für Ultrawurscht an. Als auch wir endlich auf den Beinen standen, war die Bühne schon passend zum Bandnamen dekoriert worden. Neben einem gemütlichen Sofa zierten überdimensionale Wurstskulpturen das Bühnenbild, was schon Appetit auf die Darbietung der bayrisch-österreichischen Band machte. Es ist schier unglaublich, dass es eine Band schon früh um 10 Uhr (für Festivalverhältnisse noch mitten in der Nacht) schafft, solche Besuchermassen vor die Bühne zu locken. Sänger Dr. Mett Wurscht begrüßte seine Gäste auf recht spaßige Art im typischen bayrischen Dialekt und suchte sich ein mehr oder weniger freiwilliges Opfer, das während des Auftritts zehn Weißwürste vertilgen sollte. Ultrawurscht schleuderten einem ihren wirklich verdammt schnellen, brutalen Death Metal mit crustigen, punkigen und grindigen Anleihen (auch bekannt als Wurschtcore) regelrecht vor die Füße und heizten dem Publikum ordentlich ein, so dass es auch wirklich nicht lange dauerte, bis ein wildes Abmoshen in die Gänge kam. Nach den ersten zwei Songs waren diejenigen, die noch etwas müde dreingeschaut hatten, regelrecht wachgeschüttelt und -geschubst worden, denn was diese Band für eine Energie freisetzte, war echt der Hammer. Rein optisch erinnerte der Sänger sehr an Haemorrhage mit seinem OP-Kittel (der aber auf den zweiten Blick eher einem Schlafanzug ähnelte), während der Gitarrist mit seinen schicken Ringelstrümpfen an Pippi Langstrumpf denken ließ. Die Songs gingen sehr druckvoll nach vorne los und begeisterten das abfeiernde Publikum, und Dr. Grunzsau Mett Wurscht holte alles aus seinen Stimmbänder heraus. Natürlich durfte auch die Fütterung der hungrigen Meute mit Hilfe einer Wurst-Panzerfaust nicht fehlen - eine Aktion, die schon an die kultigen Manos erinnerte. Rein textlich ging es, wie sollte es auch anders sein, um die Wurst, aber auch um sozialkritische Themen. Wer sich durch den Auftritt inspiriert sah, konnte sich übrigens auch gleich an der Theke mit einem Weißwurstfrühstück (außerhalb von Bayern besser bekannt als "Leichenfinger") versorgen lassen. (Was wir als Weißwurstverweigerer natürlich nicht taten, hehehe.) Als zweite Band waren dann Scared to Death an der Reihe, doch während diesem Auftritt schienen sich viele Festivalbesucher erst mal von Ultrawurscht zu erholen, denn im Konzertzelt sah es ziemlich leer aus. Eigentlich schade, dass so wenige Leute den Weg zur Bühne gefunden hatten, konnte diese sehr junge Band mit ihrem old schooligen und sehr melodischen Thrash doch wirklich überzeugen. Obwohl das ja nicht gerade unsere bevorzugte Stilrichtung ist, muss man doch sagen, dass das Trio musikalisch wirklich was drauf hat und mit richtig guten und ausgereiften Songs punkten konnte. Ein lustiger Anblick war es ja schon, da vor allem der Sänger wirklich aussah wie der nette Schuljunge von nebenan. Dennoch spielten die Jungs schon wie alte Hasen und hinterließen damit wirklich einen sehr positiven Eindruck. Thrasher sollten die Band unbedingt mal anchecken! Pünktlich zur Mittagszeit hüpften dann Cold Tragedy auf die Bühne. Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass die Gruppen stündlich immer jünger werden, denn diese Jungspundband hatte wohl ein Durchschnittsalter um die 17 Jahre und bot optisch eher einen Metalcore-mäßigen Anblick, gerade was den Sänger angeht. Obwohl sich die Jungs wirklich bemühten, konnten sie uns beide mit ihrem modernen Death Metal überhaupt nicht vom Hocker reißen. Was uns aber in lustiger Erinnerung blieb, ist der Gitarrist, der sein Instrument so hoch umgeschnallt hatte, dass man hätte denken können, er hätte die Gitarre gerade eben in Hauzenberg aus dem Kindergarten geklaut. Alles in allem eine Band, die ziemlich an uns vorbeilief.

Nach reichlicher Stärkung waren dann endlich die Ösis von Outrage dran, die Bühnenbretter so richtig beben zu lassen. Das Zelt war zwar nicht gerade überfüllt, aber diejenigen, die zum Auftritt gekommen waren, ließen ordentlich die Sau raus. Da wir ja beide doof sind, hatten wir auch Outrage nicht gekannt, aber die Band konnte uns mit ihrem brutalen, aber eingängigen Death Metal wirklich auf Anhieb überzeugen und begeistern. Die Band war sehr gut aufeinander eingespielt, jeder Handgriff saß und Sänger Max grunzte und keifte die Songs der headbangenden Meute entgegen. Auch der Mann hinter der Schießbude trommelte und bolzte dermaßen fett und brutal daher, dass man der Meinung war, man könnte das Drumkit danach vergessen. Die österreichischen Fans ließen sich von dieser mitreißenden Darbietung zu patriotischen Freudenexzessen inklusive Flaggeschwenken treiben. Es machte einfach tierisch Spaß, dem Aufritt von Outrage beizuwohnen, da sie wirklich wussten, was der Death Metal Fan braucht. Für uns waren Outrage definitiv die Neuentdeckung des Festivals. Daumen hoch für diese talentierte, bis ins Mark brutale Ösi-Band! Nachdem nun endlich unsere Ohren ordentlich freigepustet waren, freuten wir uns auf noch mehr Death Metal, denn als nächstes standen die Hessen Epicedium auf dem Plan. Da Rayk die Band schon von früheren Veröffentlichungen her kannte und auch die Möglichkeit hatte, die frisch eingetroffene neue CD "Songs For The Buried" am Stand anzuhören, war es Pflicht, Epicedium auch mal live anzuschauen. Aber irgendwie wollte bei uns der Funke nicht so recht überspringen. Obwohl Brüllwürfel Sascha sich redlich Mühe gab und seine Wut regelrecht herausgrunzte, was jenseits normaler menschlicher Laute lag, wollten die Songs einfach nicht zünden. Das soll jetzt nicht heißen, dass die Band einen schlechten Gig hingelegt hat, aber auch Besucher-mäßig war zu diesem Zeitpunkt ziemlich ebbe. Gerade nach dem richtig geilen, abwechslungsreichen Auftritt von Outrage, hatten es Epicedium im Direktvergleich nicht einfach, die Meute mit ihrem brutalen, vielleicht etwas zu technischen Death Metal zu überzeugen. So machten wir uns lieber auf, Hauzenberg zu erkunden, da uns jetzt eine längere Pause gerade recht kam. Denn mit Nordafrost stand als nächstes eine Black Metal Band auf dem Plan, mit der wir beide noch nie etwas anfangen konnten, und so blieben wir ihrem Auftritt komplett fern.

Pünktlich zu Midwinter fanden wir uns wieder im Zelt ein, da sie uns mit ihrer Mischung aus melodischem Black/Dark Metal und Heavy Metal Einflüssen sehr interessierten. Der Band gelang es mit ihren eingängigen Songs sehr schnell, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Midwinter nutzten die Gelegenheit, ihr aktuelles Album "Between Wisdom And Lunacy" vorzustellen, spielten aber auch älteres Material. Die Band rockte ohne Ende, machte ordentlich Stimmung und konnte mit ihrer Spielfreude das Publikum anstecken. Gerade Keyboarder AbraxasNoir bewies dabei, dass man als Tastenmann nicht zwangsläufig langweilig rumstehen muss und sammelte mit seinem energiegeladenen Bühnenauftritt Sympathiepunkte. Nach viel Melodie und etwas Süßholzgeraspel kam nun endlich mal wieder ordentliches Gebolze für Rayk.

Die Ruhrpöttler Grind Inc. waren an diesem Tag die ersten aus dem Stall von Morbid Records, die die Bühne zum Beben bringen sollten, und das taten sie dann auch im wahrsten Sinne des Wortes. Mit gleich zwei brutalen Frontshoutern am Start erstickte man auch den letzten melodischen Hauch, der im Zelt noch von den Vorgängerbands zurückgelassen worden war. Da Grind Inc. schon lange in der Szene aktiv sind, war es ganz klar, dass einige Fans vor der Bühne tierischst abgingen, und selten hat man eine so gut aufeinander eingespielte Death Metal Band gesehen, gerade was die ausdrucksstarken Mördervokills der zwei Mikrophonvergewaltiger Christoph und Thomas angeht. Es wurden sowohl alte als auch neue Stücke gespielt, die hervorragend beim Publikum ankamen. Eine Band, die ihre mörderisch brutalen Songs live genauso geil und druckvoll darbietet wie auf CD. Wirklich starker Auftritt! Danach war es erst mal an der Zeit, etwas Energie zu tanken, um sich auf Resurrected vorzubereiten, die wohl die Zugpferde von Morbid Records darstellen. Das Zelt füllte sich abermals recht schnell, da Resurrected für ihre heftigen, energiegeladenen Liveshows in der Szene bekannt sind. Resurrected feuerten eine DeathGrind Attacke nach der anderen ab, und Frontsau Carsten rülpste, grunzte und röchelte, was die Stimmbänder hergaben, ohne dabei auch nur ansatzweise langweilig bzw. eintönig zu klingen. Resurrected nutzten die Möglichkeit, ihr neues Album "Endless Sea Of Loss" vorzustellen, was wohl das derbste und brutalste, aber auch das abwechslungsreichste in ihrer bisherigen Bandgeschichte darstellt. Resurrected machten gleich von der ersten Sekunde an klar, wer hier der Chef im Zelt ist. Auch technisch ließ man nichts anbrennen, so boten doch beide Gitarristen ein Brett nach dem anderen und auch Drummer Hazim trommelte wie ein wildes Tier auf seinen Kesseln rum, so dass man sich fragen musste, wie man überhaupt so eine verdammt gute Kondition bekommt. Während Rayk sichtlich begeistert war von diesem Auftritt und sich die Möhre wund schüttelte, machte sich bei mir eher Langeweile breit. Aber auch für Grindbanausen wie mich bot Gitarrist Thomas mit seinem eindrucksvollen Gepose und seinen diabolischen Grimassen wenigstens optisch beste Unterhaltung. (Wahrscheinlich durfte er als Kind nie die Zunge rausstrecken, und verspürt nun den unüberwindbaren Drang, das ausgiebigst nachzuholen...) - Ja ja, typisch Frau! Jeder, der den Auftritt von den beiden oben genannten Bands verpasst hat, sollte sich schleunigst das neue Album zulegen und auf eines ihrer Konzerte gehen. Geil, geil, geil. Nach so viel Death und Grind war es jetzt mal wieder an der Zeit für Black Metal. Gjenferdsel aus Bergen absolvierten ihren ersten Gig in Deutschland und lockten mit ihrem Folk-beeinflussten Schwarzwurzelsound schon einige Zuhörer ins Konzertzelt. Auch Ketzer-Alex ließ es sich nicht nehmen, seine Schützlinge vor der Bühne zu unterstützen. Die Norweger, die auf dem Festival auch unter dem Namen Pferdesel bekannt wurden (ein Wortspiel, das wohl nur für Schwaben nochvollziehbar ist??), schafften es auch bei Tageslicht, eine düstere, mystische Stimmung zu erzeugen, so dass jeder Song mit reichlich Beifall abgefeiert wurde. Auch bei Alex war deutlich zu sehen, dass er mit dem Auftritt der Norweger sehr zufrieden war, was anschließend auch mit viel Bier begossen wurde. Da der Drummer der Band dem billigen deutschen Alkohol etwas zu begeistert zusprach, musste er am Ende des Festivals ins nahegelegene Passauer Krankenhaus abtransportiert werden, um seine Alkoholvergiftung auszukurieren. (Von wegen Skandinavier sind trinkfest, hahaha!) Pünktlich zum Abendbrot servierte man dann die deutsche Schwanzlegion Cock and Ball Torture. Wer diese Band kennt, weiß, was ihn erwartet, nämlich Gurgel Goregrind der rockigen, groovigen Art mit extrem verzerrten Harmonizervocals, der tierischst abgeht und auch in Hauzenberg für ordentliches Rumgeschubse und Moshen sorgte. Was hier im Publikum abging, war teilweise schon nicht mehr feierlich, da man den Eindruck hatte, dass es hier eigentlich nicht mehr um die Musik ging, sondern nur um reinen Aggressionsabbau. Cock and Ball Torture überzeugten auch dieses Mal wieder ihre Fans, und auch für diejenigen, die dieser Musik nichts abgewinnen können, bot sich doch ein in seiner kompromisslosen Brutalität recht beeindruckender Auftritt. Nach so viel pornographischem Gegurgel, war es nun an der Zeit für uns, endlich mal wieder was zwischen die Kiemen zu hauen, um uns für die nachfolgenden Schweden zu stärken. Da wir schon voriges Jahr das Vergnügen gehabt hatten, One Man Army & The Undead Quartet live zu sehen, freuten wir uns schon auf einen weiteren energiegeladenen Auftritt. Mittlerweile war das Zelt brechend voll, wobei man manchen Besuchern allerdings schon erste Ermüdungserscheinungen anmerkte. Die Schweden ließen sich davon allerdings nicht ausbremsen und feuerten das Publikum immer wieder an, um doch noch mal die Lebensgeister der teilweise erschöpften Zuschauer zu wecken. Besonders Sänger Johann Lindstrad bestach durch seine coolen Ansagen und wusste, was die Fans wollen, nämlich oberamtlichen druckvollen Death'n'Roll mit Arschtritt-Faktor. Im Anschluss an den Auftritt wurde mal wieder das schon fast obligatorische "I've Been Looking For Freedom" aufgelegt, bei dem die ganz Harten im Publikum beweisen konnten, dass man auch zu David Hasselhoff headbangen kann. Eigentlich waren wir ja zu diesem Zeitpunkt mit Veranstalter Lokhi auf ein paar Bier verabredet, da der sich aber mit ständigen Polizei-Anrufen herumärgern durfte, mussten wir schweren Herzens unsere Getränke selbst kaufen und uns mit einem immerhin noch halbwegs gesellschaftsfähigen Alex abgeben. (Viele Grüße nach Ulm in der Hoffnung, dass man uns unsere unqualifizierte Bemerkung verzeiht! Hohoho...) Die Tulpenknicker Legion of the Damned, die wohl in diesem Jahr auf jedem zweiten Festival hierzulande zu sehen sind, waren sich auch nicht zu schade, im idyllischen Hauzenberg aufzukreuzen und hier eine wirklich beeindruckende Show darzubieten. Als alte Thrash- und Trendmuffel hatten wir uns nun wirklich nicht auf diese Band gefreut, aber die ehemals okkulten Holländer wussten mit einem durchweg gelungenen Auftritt zu überzeugen. Obwohl wir ziemlich weit hinten standen, war zu merken, was für ein Feuer die Band mit ihren Songs entfachte, da hier ein Gitarrenriff das andere jagte und dieses aufgrund des sehr guten Sounds auch bestens zur Geltung kam. Die Songs knallten live zudem um einiges besser als auf Konserve, so dass sich auch mancher zum Headbangen hinreißen ließ, der diese heutzutage wohl angesagteste Thrash Band doch eigentlich furchtbar langweilig findet. (Gell, Lucke?) Nach dem Auftritt der Holländer kam uns Enni von G.U.C. über den Weg gelaufen, der uns darum bat, ein Foto von ihm zusammen mit Johnny Hedlund zu schießen. Obwohl Johnny gerade mitten in den Vorbereitungen zu seinem Auftritt steckte, ließ er sich ohne zu zögern für einen Moment unterbrechen, um sich etwas Zeit für seine Fans zu nehmen. Dies beweist einmal mehr, dass Unleashed trotz ihres Bekanntheitsgrades keinerlei Starallüren an den Tag legen, sondern wirklich lockere und sympathische Leute sind. Aber genug geschleimt und zurück zum Konzertgeschehen.
Mittlerweile roch man förmlich den Met, und die tobende Meute wartete sehnsüchtig auf den Headliner Unleashed. Von der ersten Sekunde an wussten die alten Schweden zu beeindrucken. Man merkte Johnny und seinen Mitstreitern förmlich ihre Spielfreude an, und es machte allen Spaß, sowohl alte als auch neue Songs mitzugrölen. Jeder dargebotene Song wurde mit Begeisterung aufgenommen, was man auch an den Hunderten ausgestreckten Fäusten sah. Die Death Metal Urgesteine lieferten einen guten Querschnitt durch ihre alten und neuen Werke und boten einen souveränen und enthusiastischen Gig. Man fühlte sich förmlich, als wäre die Zeit Mitte der 90er stehen geblieben, und Unleashed bewiesen meisterhaft, dass handgemachter old school Death Metal auch anno 2007 alles andere als langweilig und altbacken klingen kann. Leider bestand die Polizei darauf, dass das Konzert pünktlich um Mitternacht beendet wurde, um so die nächtliche Ruhe der Anwohner zu gewährleisten. Unleashed ließen es sich trotzdem nicht nehmen, immerhin bis etwa viertel eins zu spielen und mit dem Statement "Fuck the Polizei" klar zu machen, dass nicht nur das Publikum, sondern auch die Band noch lange nicht genug hatte. Die Bandmitglieder waren sich schließlich auch nicht zu schade, nach dem Gig von der Bühne zu springen, bis zur Absperrung nach vorn zu laufen und den Zuschauern in der ersten Reihe die Hände zu schütteln. So was nennt man Fannähe. Mit Unleashed ging ein super Festival würdig zu Ende, und man musste sich erst mal schütteln, um nach so einem grandiosen Auftritt wieder zur Realität zurückzufinden.

Für uns war das WMD Festival ein rundum gelungener Start in die Open Air Saison, da hier von den Bands über das Gelände bis hin zu angenehmen "Nebensächlichkeiten" wie einer vielfältigen Essensauswahl einfach alles stimmte. Wir können dieses Festival nur weiterempfehlen und hoffen, dass es auch nächstes Jahr im gleichen Stil weitergeht! Abschließend noch ein großes Lob an Wolfchant und alle helfenden Hände, die dazu beitrugen, ein geniales Festival zu veranstalten. Vielen Dank auch noch mal an Danny "Trabi" Jakesch von Metal District, der uns seine Fotos zur Verfügung gestellt hat!
(Infos zum Festival: www.walpurgismetal.de)

(katja + rayk)   (fotos: trabi)